Knapp 6000 E-Bike Kilometer

Meinem neuem E-Bike begegnete ich an der Eurobike 2015 das erste Mal. Die französische Marke Moustache differenziert sich vor allem über das Design von den vielen Mitbewerbern, die ganze Modellpalette kommt frisch daher und fällt im Alltag sofort positiv auf. Die Aufmerksamkeit viel gleich auf das Friday 27 Speed. Robuster Rahmen, ungefedert, dafür mit Ballonreifen und Retro Design. Der bewährte Antrieb unterstützt bis 45 km/h, was in der Schweiz glücklicherweise noch nicht zu Tode reguliert wurde. Einzig die ungefederte Gabel machte mich anfänglich etwas skeptisch, was sich bei der ausgiebigen Testfahrt als unbegründet erwies. Es ist zwar straffer zu fahren, aber die Ballonreifen sowie die gefederte Sattelstütze verleihen genügend Restkomfort, selbst auf Wald- und Forstwegen. Dafür ist es für ein E-Bike sehr gut ausbalanciert und reagiert trotz Ballonreifen sehr direkt. Die Bestellung war umgehend platziert, bis zur Lieferung vergingen dann doch 5 Monate.

Touren und Pendeln

Im März 2016 wurde das gute Stück endlich geliefert, die Vorfreude war gross und mit 2000 Kilometer steckte ich mir ein erstes Ziel. Bis in den Juni zeigte sich Petrus wenig velofreundlich und die angesammelte Kilometerzahl war eher bescheiden. Danach kam ein Sommer wie aus dem Bilderbuch. Es gab etliche ausgeprägte Touren über das Wochenende, die Fitness stieg trotz Motorenunterstützung. So mauserte sich das Bike auch vermehrt zum Autoersatz für das Pendeln. Am Arbeitsplatz steht eine Dusche zur Verfügung und Ladestationen für Akkus hat es mehr als genügend, also optimale Voraussetzungen. 100 km sind es für den Hin- sowie Rückweg und mit Komoot, einer Navi App, plante ich etliche unterschiedliche Routen. Es machte echt Spass, die 2000 Kilometer waren schnell erreicht. So erweiterte ich das Ziel auf ambitionierte 5000 Kilometer, was ich Mitte Oktober bereits erreichte. Inzwischen wurden die Tage sehr kurz und die Temperaturen winterlich, trotzdem bin ich bei knapp 6000 E-Bike Kilometer angelangt, genau genommen 5789 km. Ob es noch ganze 6000 Kilometer werden, hängt nur vom Wetter ab, aber eigentlich ist es mir auch egal, damit habe ich anfangs Jahr gar nicht gerechnet, es hat sich einfach so ergeben.

Elektrische Unterstützung

Sportliche Ambitionen waren nie vorhanden, ich wollte einfach eine gute Zeit in der Natur verbringen. Für dies ermöglichen heutige Apps eine komfortable Möglichkeit wenig befahrene Routen zu planen, was zudem für die Einteilung der Akkukapazitäten sehr hilfreich ist. Dafür kann ich Strom vom E-Bike Akku für mein Smartphone ziehen, eine wirklich sehr nützliche Option. Bei einem E-Bike ist der Akku ein elementares Thema, bei voller Unterstützung reicht der 500Wh-Akku ca. 40 Kilometer. Daher gönnte ich mir einen Zweitakku. Platz ist in der Packträgertasche genügend vorhanden. Einmal war ein leerer Reserveakku dabei, so musste ich die letzten 11 Kilometer an den Arbeitsplatz ohne Unterstützung zurücklegen. Dabei machen sich der Eigenwiderstand des Motors, die Ballonreifen sowie das Eigengewicht markant bemerkbar. Diese Erfahrung geht unter das Kapitel nicht lustig. Mit der Restanzeige und etwas Erfahrung teilt man die Akkukapazitäten jedoch sehr gut ein und ausgeprägte Touren sind kein Problem.

Individuelle Anpassungen

Mit der Zeit nahm ich einige individuelle Anpassungen am Bike vor. Zwar waren die bereits installierten Komponenten alle einwandfrei, aber bei den Themen Sicherheit und Ergonomie waren noch Verbesserungen möglich. Nun bremse ich mit zwei Vierkolben-Bremssätteln aus dem Downhillbereich, ich schätze die Reserven und die klare Dosierbarkeit. Beim Licht wollte ich einfach so viel wie möglich ohne andere zu blenden. Das zusätzliche Tagesfahrtlicht sieht nicht nur Chic aus, sondern ist ein weiterer Sicherheitsfaktor. Bei der Ergonomie änderte ich die drei Berührungspunkte Griffe, Pedale und Sattel. Letzteres zugegebenermassen sehr ungern, der originale Brooks Sattel war bewährt und passte perfekt zum Style. Aber in den letzten Jahren gab es sehr gute Innovationen und ein Entlastungskanal im Sattel wirkt sich ungemein positiv auf die Durchblutung aus. Für 2017 möchte ich noch die mechanische Kettenschaltung durch eine Elektronische ersetzen, auf Tastendruck schnelle und präzise Schaltvorgänge bei niedrigem Geräuschpegel. Ich hoffe die aktuell fehlende Kompatibilität bei meinem E-Bike wird bald behoben, es bräuchte nur ein winzig-kleines Software-Upate. Ansonsten habe ich eigentlich genau das, was ich brauche.

Auswirkung auf Fitness und Wohlbefinden

Bezüglich Fitness habe ich mir eigentlich nichts erwartet, aber offenbar ist der Trainingseffekt höher als eingeschätzt. So bin ich bei meinem Gürtel am ersten Loch angekommen, dies trotz erhöhter Nahrungszuname, ein sehr angenehmer Nebeneffekt. Die Wahrheit zeigte sich in einem Trainingscamp in Alicante. Es gab etliche Prototypen des Modelljahres 2017 im Bereich Rennrad, MTB und E-MTB zu fahren. Dabei waren Fachhändler aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. In der Regel sind die gut in Form und mein Ziel war die Gruppe nicht aufzuhalten. E-MTB war kein Problem, MTB ging überraschend gut. Die Strecke war technisch nicht sehr anspruchsvoll, was mir sehr entgegen kam. Einfach Po hinter den Sattel und rollen lassen. Gespannt war ich auf das Rennrad, eine ganz neue Erfahrung. Bergauf schaltete ich runter und war etwas überrascht, schon im kleinsten Gang zu sein. Nun, es ging noch etliche Kilometer bergauf, aber das geringe Gewicht machte sich mit der Zeit positiv bemerkbar. Langsam aber stetig ging es bergauf und ab und zu überholte ich sogar noch jemand. Neben der besseren Fitness hat es bei mir noch einen mentalen Effekt, besonders beim Pendeln. Man beginnt hellwach mit der Arbeit und kommt abends tiefenentspannt nach Hause, eine nicht unerhebliche Steigerung der Lebensqualität.

Bleibende Erinnerungen

Es bleibt auch eine Vielzahl von schönen Erinnerungen. Das Speziellste war wohl die Begegnung mit einem Biber. Ich kann mich nicht erinnern, je einen frei lebenden Biber gesehen zu haben. Es war morgens auf dem Weg zur Arbeit, der Aare entlang. Durch Vollbremsung kam ich ca. 1 Meter vor ihm zum Stillstand. Offenbar waren wir beide überrascht, so musterte er mich 10 Sekunden lang und zottelte danach zurück ins Gebüsch. Nebst Biber gab es eine Vielzahl von anderen Tieren wie Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse und Dachse zu sehen. Daneben natürlich viele interessante Wetter- und Lichtstimmungen.

Fahren und Fotografieren

Eine Kamera war praktisch immer in der Satteltasche. Manchmal die grössere Nikon D810, aber meistens die kompaktere Fuji XT1/2. Gesamthaft habe ich sehr wenige Fotos gemacht, da ist noch immenses Potenzial vorhanden. Oftmals passte Sujet und Licht nicht optimal oder mir war einfach nicht zum Fotografieren. Möglichkeiten gäbe es sicherlich viele, wie ich die 2017 nutzen werde, ist noch völlig offen. Genau genommen bin ich mir noch nicht im Klaren, in welche Richtung es gehen soll. Ab Frühling 2017 ergibt sich Klarheit, so hoffe ich.

Hier einige visuelle Eindrücke von E-Bike-Touren

  • Fotos mit Nikon D810 oder Fuji X-T1/2
  • Die Bilder entstanden spontan, also anhalten und abdrücken
  • Dateiformat RAW, Bildbearbeitung in Lightroom
  • EXIF-Daten und GPS-Koordinaten sind im Foto enthalten
  • Link Tipp: https://www.komoot.de




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