Jakobsweg Via Gebennensis

Nach der zweittägigen Ruhepause in Genf fühlte ich mich wieder fit und nahm den nächsten Streckenabschnitt, von Genf nach Le Puy-en-Velay, der  Via Gebennensis, in Angriff. Der Streckenabschnitt ist ca. 350 km lang. Anfänglich machte ich mir noch einige Gedanken bezüglich meiner Französischkenntnisse, diese sind sehr bescheiden, einige Brocken aus meiner Schulzeit sind noch vorhanden, aber ich war mir nicht sicher, ob dies zur nötigsten Verständigung reicht. Es war für mich überraschend, dass ich mich recht gut über die elementaren Dinge verständigen konnte. Tiefere Gespräche oder längere Diskussionen waren zwar nicht möglich, aber ich konnte die Speisekarte lesen, Getränke aller Art bestellen oder etwa ein Zimmer reservieren, ich war zufrieden und es gab auch eine gewisse Sicherheit. Gespannt war ich auch auf die Ausschilderung des Weges, zwar war ein kleiner Reiseführer mit Wegbeschrieb im Gepäck, bei einer gut ausgeschilderten Strecke lässt es sich jedoch wesentlich angenehmer gehen. Schnell stellte ich fest, der Ganze Weg ist bestens ausgeschildert und mein Reiseführer wurde eigentlich nur für die Planung der Tagesetappen benötigt.

Am zweiten Tag führte der Weg an einer wenig befahren Landstrasse entlang, da hörte ich im hohen Gras etwas klingeln. Nach kurzer Suche fand ich ein Mobiltelefon, es war die Weckfunktion, welche klingelte, sie war auf 08:00 Uhr eingestellt. Es war dasselbe Modell wie ich es besass, nun gut, ich nahm das gute Stück mit und wollte es im nächsten Ort abgeben. Das Telefon war gesperrt, dies brachte mich am Abend auf die glorreiche Idee, mein Telefon auch mit einem Sperrcode zu versehen. Ich war mir ganz sicher den PIN Codes zu kennen, welcher für die Eingabe des Sperrcodes notwendig war. Es kam, wie es kommen musste, nach dem dritten Versuch war mein Handy gesperrt, und da ich nicht aufgab, war dies SIM Karte schlussendlich endgültig unbrauchbar. Zwar benutzte ich es bisher sehr wenig, aber ohne Handy den Rest des Weges zu gehen, war kein Gedanke, welcher ich mir eigentlich stellen wollte.  Ich überlegte ob ich nun eine neue SIM Karte kaufen sollte oder den Rest des Weges doch ohne Handy zu gehen. Schlussendlich entschied ich mich für das Zweite, ein Entscheid, welcher ich nicht bereuen solle.  Als Ersatz kaufte ich mir eine profane Telefonkarte, öffentliche Telefone gab es in jedem Ort und die Kosten waren sensationell niedrig. Zudem hatte ich so die Kontrolle über die Kommunikation. Ironischerweise bekam ich ca. einen Monat vor meinem Start in einem Gespräch den Tipp, auf ein Mobiltelefon zu verzichten, tja, ich verneinte diesen Vorschlag ziemlich schroff.

Die Via Gebennensis war anfangs Juni sehr wenig begangen, ich war etliche Tage unterwegs, ohne jemand tagsüber zu begegnen. Irgendwie fand ich Gefallen daran, es machte frei für eigenen Gedanken und die Natur. Abends, in den kleinen Ortschaften, traf man vereinzelt Pilger an, je näher von Le Puy-en-Velay desto mehr.
Für Übernachtungen eigneten sich jeweils die Gîtes, privat geführte Herbergen. In der Regel hat es in einem Gîte ca. 8 – 20 Betten zur Verfügung, teilweise auch Doppelzimmer. Üblicherweise wurde nebst der Übernachtung auch ein Nachtessen und Frühstück angeboten. Dies kostete zwischen 20-25 Euro. Das Nachtessen bestand meist aus 3 Gängen und inkl. Wein. So gut habe ich für so wenig Geld selten gegessen. Speziell die lokalen Spezialitäten genoss ich sehr und gewöhnlich trinke ich nicht so viel Wein, wie in diesem Sommer in Frankreich.

Die Streckenführung war anspruchsvoll, zwar keine grossen Berge, aber etliche Hügel, Hügel hinauf und wieder hinunter. Wie in der Schweiz wurde die Streckenführung vermutlich aus touristischen Gesichtspunkten gewählt und weniger um ökonomisch eine Strecke zu bewältigen.

Nebst der Ruhe ist dieser Streckenabschnitt auch landschaftlich sehr schön, nach und nach bemerkt man Veränderungen der Natur und der Landschaft gegenüber der Schweiz, dies kann man per Auto oder Zug in diesem  Masse nicht erleben.

Da der Sommer Einzug hielt und es nach und nach wärmer bis heiss wurde, kamen die Campingplätze mehr und mehr in meinen Fokus. Diese boten oftmals kleine Chalets an, gelegentlich traf man noch andere Pilger an, mit denen man eines teilen konnte.  Der obligate Sprung in den Pool brachte jeweils gute Erholung von der Tagesetappe. In guten Erinnerungen blieben mir auch zwei junge Frauen aus Bayern, diese hatten den halben Hausstand im Rucksack wie Brotbrett, grosses Brotmesser, Käse, Wurst und dunkles Brot, fein säuberlich eingepackt. Gerne nahm ich an diesem Abendessen teil, wirklich sehr gut, aber das Gewicht hätte ich mir nie angetan, mindestens 4-5 Zusatzkilos.

Körperlich ging es recht gut, abends war ich mir meiner Füsse jeweils sehr bewusst und hatte noch ab und zu Muskelkater. Füsse salben wurde zu einem allabendlichen Ritual und morgens fühlen sie sich wieder unbelastet an. Blasen waren auch ein Fremdwort und so machte ich mir berechtigte Hoffnung auf eine blasenfreie Ankunft in Santiago.

Nach zwei Wochen hatte ich es geschafft und Le Puy-en-Velay rückte näher und näher. Auch traf man nun vermehrt andere Pilger an, mehrheitlich Franzosen und ab und zu einige Deutsche.
Ich freute mich sehr auf eine Pause, zuerst war nur ein Tag geplant. Als ich in Le Puy-en-Velay eintraf, gefiel mir die Stadt auf den ersten Blick und ich entschied, 2 Tage zu pausieren. Ein Hotel fand sich schnell und es stand auch eine Waschmaschine zur Verfügung, die Kleider hatten es nach 3 Wochen Handwäsche wieder bitter nötig.

Ein besonderer Blickfang von Le Puy-en-Velay sind die beiden basaltspitzen aus kegelförmiger erstarrter Lava. Auf einer dieser Spitzen befindet sich die Kirche Saint-Michel d’Aiguilhe. Auf der anderen Spitze befindet sich die steht die Statue der Notre–Dame de la France, eine aus Eisen gegossene, 16 m hohe Marienstatue. Besonders schön ist auch die Atmosphäre in der Kathedrale von Le Puy-en-Velay, sie gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Altstadt mit ihren wundschönen Häusern lädt zum Verweilen ein. So waren die zwei Tage Pause im nun vorbei und ich konnte mich bestens erholen.

Hier einige visuelle Eindrücke dieser Route in chronologischer Reihenfolge.



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Ein Kommentar auf Jakobsweg Via Gebennensis

  1. Herbert 16. Januar 2011 um 12:59 #

    Hallo
    Diesen Weg bin ich mit meiner Frau letztes Jahr
    auch gegangen. Danke für den Betrag und die wundervollen Bilder, weckt schöne Erinnerungen.

    Gruß Herbert…